“The Head” Diary I
20.04.2007 by Urban Interface Berlin

Vor eingen Tagen haben wir Mr.Head in unsere WG in der Richard-Sorge-Straße aufgenommen und ihn mittlerweile fest in unseren Alltag intergiert.

Als ich den Kopf vom Urban Interface HQ nach Hause gebracht habe, war mir zunächst etwas seltsam zu Mute, da die zahlreichen irritierten Blicke der Passanten, Menschen in der Straßenbahn und im Späti ein gewisses Fremdkörpergefühl gegenüber der Plexiglaskugel aufkommen ließen. Aber Mr.Head durch die Straßen zu tragen war zweifellos auch ein großes Vergnügen.

Zu Hause angekommen wurde Mr.Head zunächst in der Küche platziert, wo er von meinen Mitbewohnern mit Skepsis in Augenschein genommen wurde. Neben Interesse und Begeisterung für die Idee, die hinter oder besser IN dem Kopf steckt, blieb jedoch bei meinen Mitbewohnern und den meisten Gästen ein gewisser Zweifel – insbesondere in Bezug auf das Aussehen des Kopfes, das von vielen als sehr hässlich empfunden wird.

Das Projekt reizt sicherlich am meisten durch die Art und Weise der Entsehung der Fotos und Soundsamples. Der Träger kann das Motiv in gewisser Weise zwar auswählen und beeinflussen, weiß jedoch nie wann ausgelöst wird. Und der Sender hat keine Ahnung wo sich der Kopf gerade aufhält wenn er auf “den Auslöser drückt”. Wer ist also am Ende der Fotograf? Mr.Head?

Genau dieser gewisse Unsicherheitsfaktor ist es, der die Anwesenheit von Mr.Head für einige Menschen (vor allem in der eigenen Wohnung) so unheimlich macht. Vielleicht vergleichbar mit einer fremden Person, die sich im Raum befindet und liest, und man nie sicher sein kann, ob sie nicht doch gerade zuhört und ein Gespräch belauscht. Es scheint, als ob Mr.Head ein winziges Loch in die Hülle unserer vereintliches Privatsphäre sticht und jeder in der Lage ist von außen hindurch zu schauen. Der bislang als privat empfundene Raum wird öffentlich.

Würde Mr.Head nur ein Foto machen wäre dieses Gefühl mit Sicherheit nicht ganz so stark. Jedoch die wenigen Sekunden, die er zusätzlich aufnimmt und der Öffentlichkeit präsentiert, verleiht dem Kopf wesentlich mehr Präsenz – personifiziert ihn gewissermaßen. Dadurch lässt sich vielleicht auch die Scheu erklären, Mr.Head für längere Zeit im eigenen Zimmer einzuquartieren. Denn letztlich es bleibt ein Rest Unsicherheit ihn am Ende doch zu vergessen.

So lebt Mr.Head in der Küche und wandert gelegentlich durch die Wohnung. Obwohl wir viel Zeit mit ihm verbringen, sind die bislang “geschossenen” Fotos nahezu menschenleer. Wenn man die Bilder in Reihe betrachtet, könnte man meinen, in dieser Wohnung lebt niemand. Wir tauchen in etwa so selten auf Mr.Head Fotos auf wie Rehe, die nachts durch das Scheinwerferlicht eines vorbei fahrenden Autos springen. Bald schon hwird der Kopf jedoch mehr Gelenheit haben, ein paar Menschen fotografieren zu können: Am Wochenende wird gefeiert und Mr.Head ist natürlich auch dabei. Er ist schon sehr aufgeregt…

marc thümmler

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